Donnerstag, 21. Januar 2016

"Altes Land" von Dörte Hansen

An Dörte Hansens Schreibstil bemerkt man sofort, dass sie einen besonderen Hang zur Sprache hat. Die Linguistin mit Sprachkenntnissen in Finnisch, Gälisch, sowie Baskisch entführt uns in ihrem Debütroman „Altes Land“ in das Leben im Olland (hochdeutsch: „Altes Land“). 


Als die fünfjährige Vera mit ihrer Mutter Hildegard den Hof auf dem Alten Land betritt weiß sie, hier geht sie nicht mehr weg. Ida Eckhoff, Besitzerin des Hofs, ist über die neue Situation alles andere als glücklich. Abgestempelt als „Polacken“, die 1945 aus Ostpreußen geflüchtet sind, bestreiten Vera und Hildegard mit erhobenem Kopf ihre neue Situation im alten Land. 

"Hoch den Kopf, wenn der Hals auch dreckig ist."

Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Die Jahre vergehen, Menschen treten in Veras Leben und verlassen es wieder. Aber Vera bleibt. Das Alte Land ist nun ihr neues Zuhause. Und das soll es auch bleiben. Vera zeigt allen, dass sie nicht nur ein „Polackenkind“ ist, sondern mehr in ihr steckt. Ihr Studium absolviert sie mit Bestnoten und schnell darauf eröffnet sie ihre eigene Zahnarztpraxis. Andere sehen Vera und ihrem Lebenstil skeptisch entgegen. Schließlich hat sie immer noch keinen Mann. Aber Vera lässt sich nicht beirren. Sie braucht keinen Mann an ihrer Seite - im Grunde genommen braucht sie niemanden. Dass das nicht stimmt bemerkt sie allerdings viele Jahre später als ihre Nichte Anne auf ihrem Hof eintrifft.

Anne hätte so viel aus ihrem Leben machen können. Sie hat das Leben unter den perfekten Müttern in Hamburg Ottensen satt. Anne ist eine arbeitende Mutter – eine Tatsache, die bei vielen anderen Müttern in Hamburg Ottensen auf Naserümpfen trifft. Schließlich hat sie doch einen Freund, der sich um das Geld kümmern kann. Jedenfalls solange, bis dieser beschließt sich nach einer anderen umzusehen. Mit ihren sieben Sachen und hoch erhobenen Hauptes macht sich Anne auf den Weg zu ihrer Tante Vera, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen. 

"Sie war sehr gut darin geworden, eine Meisterin im Aufbrechen und Weitergehen. Aber es ging sich sehr viel schwerer mit einem kleinen Jungen auf dem Arm."

„Altes Land“ erzählt auf eine besondere Weise die Geschichte von zwei Frauen, die in ihren Leben schon einiges wegstecken mussten. Trotzdem lassen sie sich nicht von der Außenwelt und den Meinungen anderer beirren und leben das Leben, dass sie für richtig halten. Mir hat die Einstellung von Anne und Vera sehr gefallen. Sie sind unabhängig, in der Lage ihr Leben selbst zu bestimmen und stehen zu ihren Entscheidungen. Ich habe in vielen Romanen oft das Gefühl, dass viel zu viele Protagonistinnen  von den Männern beeinflusst werden. Hier allerdings hat sich dieses Gefühl nicht eingestellt. Es ist erfrischend einen Roman zu lesen, der sich in vielerlei Hinsicht von der großen Masse abhebt. Die Liebe zwischen Mann und Frau spielt hier nicht die Hauptrolle – und das ist auch gut so. Schließlich geht es im Leben um so vieles mehr und genau das hat Dörte Hansen eindrucksvoll auf Papier gebracht.


Fazit: Sehr gut!

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